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Bücher von Andi

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Robert Jordan: Das Rad der Zeit - Das Original (2004, Piper Verlag GmbH)

Die Suche nach dem Auge der Welt

Robert Jordan hat mit diesem Buch (und seinen Fortsetzungen) zweifelsohne ein ähnlich mächtiges Fantasyepos geschaffen wie seinerzeit Tolkien. Verglichen mit diesem ist Jordan vermutlich auch der handwerklich bessere Schriftsteller.

Allerdings scheint es ihm manchmal ein wenig an eigener Kreativität zu mangeln. (Das ist zumindest mein Eindruck nach dem Lesen von Band 1 der Reihe.) Insbesondere sind mir folgende Dinge negativ aufgefallen:

1. Zahlreiche Male entkommen die Hauptpersonen in aussichtslos erscheinenden Situationen nur durch ausgesprochen großen Zufall (z.B., indem die Gegner vom Blitz erschlagen werden).

2. Der "Endkampf" -- der wohl nicht wirklich ein Endkampf gewesen sein dürfte (angesichts der Fortsetzungen, die ich allerdings noch nicht gelesen habe) -- scheint am Anfang auch mal wieder völlig aussichtslos zu sein, wird dann von dem Haupthelden der Geschichte aber auf einmal spielend einfach beendet.

3. Die Anzahl der Ideen, die sich Jordan von Tolkien "geborgt" hat, ist schon ziemlich phänomenal: Da gibt es …

Tim Marshall: Die Macht der Geographie (Hardcover, dtv Verlagsgesellschaft)

Tim Marshall erläutert in seinem Buch, warum seiner Meinung nach außenpolitische Entscheidungen von Großmächten in der Vergangenheit wie in der Gegenwart vor allem von geografischen Gegebenheiten bestimmt wurden und immer noch werden. Viele seiner Argumente klingen sehr logisch und nachvollziehbar, und tatsächlich scheinen auch die aktuellen Entwicklungen im Jahr 2022 im Ukrainekrieg seine Überlegungen voll und ganz zu bestätigen.

Da sich das Buch zu großen Teilen mit vergangenen Jahrhunderten beschäftigt, kommt Marshall neben der Geographie auch auf interessante geschichtliche Zusammenhänge aus der Kolonialzeit und kulturelle Unterschiede zu sprechen. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Regionen und Konflikte, die ohnehin in den Schlagzeilen der Medien vorkommen und -kamen, sondern gibt auch interessante Einblicke in die Politik und Entwicklung von Ländern, die von Schulgeschichtsbüchern und Medien wenig beachtet werden.

Beim Lesen etwas negativ aufgefallen ist mir, dass Tim Marshall dazu neigt seine etwas militaristisch gefärbten Theorien an vielen Stellen als alternativlose …

Umberto Eco: Verschwörungen (German language, 2021)

Das Büchlein enthält eine Zusammenstellung dreier unterschiedlich alter Vorträge von Eco. Der erste Teil des Buches nennt mehrere historische Beispiele für Verschwörungtheorien, und wie sie später als Lüge entlarvt wurden.

Eine Anleitung, wie man Verschwörungstheoretikern argumentativ begegnen kann, liefert das Buch nicht direkt, insbesondere der zweite Teil gibt jedoch eine sehr detaillierte historische Darstellung, wie eine der prominentesten und gleichzeitig tragischten Verschwörungstheorien entstanden ist: der jüdischen Weltverschwörung, welche den Nazis als Rechtfertigung für den größten Völkermord der Geschichte diente.

Der dritte Teil des Buchs ist thematisch etwas anders gelagert, und spricht mehr über diverse historische Therorien zum Aufbau der Erde und des Universums, die auch das ein oder andere mal zur Rechtfertigung bestimmter politischer oder religiöser Entscheidungen dienten.

Ecos Vorträge sind wie die meisten seiner Werke in einem sehr angenehmen, mit viel Ironie gewürzten Sprachstil vorgetragen.

hat Uhrwerk Orange von Anthony Burgess besprochen (Heyne TB 6777)

Anthony Burgess: Uhrwerk Orange (German language, 1997, Wilhelm Heyne Verlag)

A Clockwork Orange is a dystopian satirical black comedy novel by English writer Anthony Burgess, …

Uhrwerk Orange wird häufig mit dem Roman 1984 verglichen, weil es in beiden Werken um die staatliche autorisierte "Umerziehung" von Menschen mittels Gehirnwäsche geht. Während in 1984 die totalitäre Staatsmacht auf diese Weise den freien Willen harmloser, freiheitsliebender Bürger unterdrückt -- d.h. es ist hier glasklar, wer "die Guten" und wer "die Bösen" sind -- ist der Fall in Uhrwerk Orange deutlich komplizierter. Die Hauptperson Alex ist ein höchst unsympathischer krimineller Mörder, bei dem nicht die geringste Hoffnung zu bestehen scheint, dass er für seine Taten jemals das geringste Gefühl von Reue entwickeln und sich zu einem anständigen Mitglied der Gesellschaft wandeln könnte. Dies wird dem Leser insbesondere dadurch verdeutlicht, dass der Roman aus der Ich-Perspektive von Alex erzählt wird. Darüber hinaus gibt Alex, zugegebenermaßen ohne die vollen Konsequenzen zu kennen, auch noch selbst sein Einverständnis zu der Behandlung -- einzig und allein aufgrund der Aussicht, seine Gefängnisstrafe auf diese …

Kazuo Ishiguro: Was vom Tage ubrigblieb (German language, 2005)

In the summer of 1956, Stevens, the ageing butler of Darlington Hall, embarks on a …

Mein erster Roman von Ishiguro, und sicher nicht mein letzter.

Dieser Autor hat den Nobelpreis für Literatur nicht zu unrecht bekommen. Es ist wirklich erstaunlich, wie er in diesem Roman, der aus der Ich-Perspektive des Protagonisten erzählt wird, Gefühle und Selbstkritik zum Ausdruck bringen kann, ohne dass die Hauptperson diese jemals direkt ausspricht.

Thomas Ziegler: Die Stimmen der Nacht. Roman. (German language, 1984)

Den (1993 überarbeiteten) Kurzroman von Thomas Ziegler kann man am ehesten in die Kategorie Parallelwelt/Mystery einordnen. Ähnlich wie in Philip K. Dicks "Orakel vom Berge" (engl.: "The Man in the high castle") wird in dem Roman ein alternativer Ausgang des 2. Weltkriegs beschrieben. Der Krieg endet im Roman mit dem Abwurf einer Atombombe auf Berlin (statt auf die japanischen Städte). Die in Wirklichkeit erfolgten Bemühungen der Alliierten für den Wiederaufbau Deutschlands und eine Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gibt es im Roman nicht, was dazu führt, dass sich große Teile der Bevölkerung stärker radikalisieren und sich zum Nationalsozialismus hinwenden, anstatt sich davon abzuwenden. In diesem Punkt kann man vielleicht Parallelen zu den tatsächlichen jüngsten Entwicklungen (Sommer 2021) in Afghanistan sehen.

Hauptpunkte des Romans sind ganz klar die unmenschlichen Verbrechen der Nazis im 2. Weltkrieg und die Gefahr des Neonazismus in neuerer Zeit, bis hin zur Gefahr eines neuen Weltkriegs. Darüber hinaus …

Liu Cixin: Jenseits der Zeit (German language, 2019, Heyne Verlag)

Death's End (Chinese: 死神永生, pinyin: Sǐshén yǒngshēng) is a science fiction novel by the Chinese …

Der dritte und letzte Teil der Trisolaris-Trilogie ist zwar durchaus ein lesenswertes Buch, und für Leser, die sich für die ersten beiden Teile begeistern konnten, sicher eine Pflichtlektüre, aber das hohe Niveau der ersten beiden Bände kann dieser dritte Teil meiner Meinung nach nicht halten.

Die Fortsetzung ist erneut in einem episodenhaften Stil geschrieben. Während man die ersten beiden Bände noch als Hard Science Fiction bezeichnen konnte, nehmen die fantastischen Elemente, die völlig abgehoben von echten astrophysikalischen Erkenntnissen sind, in diesem dritten Band jetzt ziemlich Überhand. Auf den ersten Blick scheint dies eine natürliche Entwicklung der Geschichte zu sein, weil die Handlung schließlich immer weiter in die Zukunft vordringt, deren Entwicklung wir uns heute nur schwer vorstellen können, aber an manchen Stellen scheinen mir Cixin Lius Darstellungen (insbesondere was das Auffalten und Zerfallen des Raums in niedrigere Dimensionen angeht) ziemlich abgedreht.

Ein auffälliger Unterschied zu den ersten beiden Bänden ist …

hat Der dunkle Wald von Liu Cixin besprochen (Trisolaris, #2)

Liu Cixin: Der dunkle Wald (EBook, German language, 2018, Heyne)

Seit die Astrophysikerin Ye Wenjie vor Jahrzehnten Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation hergestellt hat, ist …

In "Der Dunkle Wald" setzt Cixin Liu die Trisolaris-Erzählung in demselben episodenhaften Stil fort wie in Band 1. Dabei wechselt die Erzählung immer wieder in schneller Folge zu unterschiedlichen Schauplätzen und Protagonisten.

Von den Personen aus Band 1 spielt lediglich der Polizeikommissar Shi Qiang noch eine größere Rolle. Wie schon in Band 1 schwächelt Cixin Liu etwas bei der überzeugenden Darstellung seiner Protagonisten. Außer dem Kommissar Shi Qiang werden nur zwei weitere Protagonisten ausführlicher dargestellt: der Politkommissar Zhang Beihei und der Wissenschaftler Luo Ji. Außerdem fällt auf, dass die für die Handlung bedeutenden Charaktere überwiegend Männer sind. Anstatt dem Autor (wie einige andere Rezensent*innen) Sexismus vorzuwerfen, würde ich jedoch einfach davon ausgehen, dass sich Cixin Liu mit der Darstellung von Frauencharakteren noch schwerer tut als mit der überzeugenden Herausarbeitung männlicher Personen und es aus diesem Grund lieber bleiben lässt. Wenn in einem Roman sexistische Personen vorkommen (z.B. Luo Ji, der …