Robert Jordan hat mit diesem Buch (und seinen Fortsetzungen) zweifelsohne ein ähnlich mächtiges Fantasyepos geschaffen wie seinerzeit Tolkien. Verglichen mit diesem ist Jordan vermutlich auch der handwerklich bessere Schriftsteller.
Allerdings scheint es ihm manchmal ein wenig an eigener Kreativität zu mangeln. (Das ist zumindest mein Eindruck nach dem Lesen von Band 1 der Reihe.) Insbesondere sind mir folgende Dinge negativ aufgefallen:
1. Zahlreiche Male entkommen die Hauptpersonen in aussichtslos erscheinenden Situationen nur durch ausgesprochen großen Zufall (z.B., indem die Gegner vom Blitz erschlagen werden).
2. Der "Endkampf" -- der wohl nicht wirklich ein Endkampf gewesen sein dürfte (angesichts der Fortsetzungen, die ich allerdings noch nicht gelesen habe) -- scheint am Anfang auch mal wieder völlig aussichtslos zu sein, wird dann von dem Haupthelden der Geschichte aber auf einmal spielend einfach beendet.
3. Die Anzahl der Ideen, die sich Jordan von Tolkien "geborgt" hat, ist schon ziemlich phänomenal: Da gibt es …
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Andi hat Das Rad der Zeit - Das Original von Robert Jordan besprochen
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Robert Jordan hat mit diesem Buch (und seinen Fortsetzungen) zweifelsohne ein ähnlich mächtiges Fantasyepos geschaffen wie seinerzeit Tolkien. Verglichen mit diesem ist Jordan vermutlich auch der handwerklich bessere Schriftsteller.
Allerdings scheint es ihm manchmal ein wenig an eigener Kreativität zu mangeln. (Das ist zumindest mein Eindruck nach dem Lesen von Band 1 der Reihe.) Insbesondere sind mir folgende Dinge negativ aufgefallen:
1. Zahlreiche Male entkommen die Hauptpersonen in aussichtslos erscheinenden Situationen nur durch ausgesprochen großen Zufall (z.B., indem die Gegner vom Blitz erschlagen werden).
2. Der "Endkampf" -- der wohl nicht wirklich ein Endkampf gewesen sein dürfte (angesichts der Fortsetzungen, die ich allerdings noch nicht gelesen habe) -- scheint am Anfang auch mal wieder völlig aussichtslos zu sein, wird dann von dem Haupthelden der Geschichte aber auf einmal spielend einfach beendet.
3. Die Anzahl der Ideen, die sich Jordan von Tolkien "geborgt" hat, ist schon ziemlich phänomenal: Da gibt es also diesen übermächtigen, dunklen Herrscher, der zwar schon (mindestens) einmal besiegt, aber eben nicht völlig vernichtet wurde, und der seine Macht erneut im Geheimen aufbaut, während der größte Teil der Menschheit davon nichts ahnt. Im Land Mordor -- nein, Entschuldigung, bei Jordan heißt es : "die Fäule" -- rotten sich die alten Anhänger dieses Herrschers zusammen, um sich auf einen neuen Krieg vorzubereiten. Der größte Teil davon besteht aus den sogenannten Trollocs. Auch wenn ihre äußerliche Gestalt etwas anders sein mag, so wären die Trollocs doch 1:1 durch Orks austauschbar. Nun gibt es abseits des politischen Weltgeschehens so ein idyllisches Bauerndorf, in dem die 5 jungen Helden (2 davon allerdings weiblich) in Jordans Geschichte heranwachsen, und plötzlich von den Schergen des dunklen Herrschers verfolgt werden, und sich deshalb auf eine lange Reise nach Osten begeben müssen. Dabei werden sie nicht nur von Trollocs, sondern auch noch von ganz besonders unheimlichen, schwarzen Reitern verfolgt. Glücklicherweise wird den jungen Helden von der Magierin Gandalfine -- nein, nochmals Entschuldigung, sie heißt Moiraine -- und einem großartigen Schwertkämpfer geholfen. Der bescheidene Schwertkämpfer ist übrigens, wie sich später herausstellt, in Wirklichkeit der Erbe eines alten Königshauses. Die Verfolger lassen sich übrigens anfangs immer ganz gut durch das Überqueren von Flüssen aufhalten, da sie sich vor fließendem Wasser fürchten. Einer der Helden ergattert dann noch irgendwann einen verfluchten Dolch, und er will seinen "Schatz" partout nicht mehr hergeben, was ihm gar nicht gut bekommt, weil der Dolch ihn zum Bösen verführen will.
Ok, ein paar eigene Ideen hat Jordan dann doch auch noch eingebracht, und bis auf den etwas abrupten Schluss (der ja noch nicht wirklich das Ende der Geschichte ist) liest sich der Roman dann doch recht flüssig.
Ich denke mindestens Band 2 sollte man noch eine Chance geben.
Andi hat Die Macht der Geographie von Tim Marshall besprochen
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Tim Marshall erläutert in seinem Buch, warum seiner Meinung nach außenpolitische Entscheidungen von Großmächten in der Vergangenheit wie in der Gegenwart vor allem von geografischen Gegebenheiten bestimmt wurden und immer noch werden. Viele seiner Argumente klingen sehr logisch und nachvollziehbar, und tatsächlich scheinen auch die aktuellen Entwicklungen im Jahr 2022 im Ukrainekrieg seine Überlegungen voll und ganz zu bestätigen.
Da sich das Buch zu großen Teilen mit vergangenen Jahrhunderten beschäftigt, kommt Marshall neben der Geographie auch auf interessante geschichtliche Zusammenhänge aus der Kolonialzeit und kulturelle Unterschiede zu sprechen. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Regionen und Konflikte, die ohnehin in den Schlagzeilen der Medien vorkommen und -kamen, sondern gibt auch interessante Einblicke in die Politik und Entwicklung von Ländern, die von Schulgeschichtsbüchern und Medien wenig beachtet werden.
Beim Lesen etwas negativ aufgefallen ist mir, dass Tim Marshall dazu neigt seine etwas militaristisch gefärbten Theorien an vielen Stellen als alternativlose …
Tim Marshall erläutert in seinem Buch, warum seiner Meinung nach außenpolitische Entscheidungen von Großmächten in der Vergangenheit wie in der Gegenwart vor allem von geografischen Gegebenheiten bestimmt wurden und immer noch werden. Viele seiner Argumente klingen sehr logisch und nachvollziehbar, und tatsächlich scheinen auch die aktuellen Entwicklungen im Jahr 2022 im Ukrainekrieg seine Überlegungen voll und ganz zu bestätigen.
Da sich das Buch zu großen Teilen mit vergangenen Jahrhunderten beschäftigt, kommt Marshall neben der Geographie auch auf interessante geschichtliche Zusammenhänge aus der Kolonialzeit und kulturelle Unterschiede zu sprechen. Dabei beschränkt er sich nicht nur auf Regionen und Konflikte, die ohnehin in den Schlagzeilen der Medien vorkommen und -kamen, sondern gibt auch interessante Einblicke in die Politik und Entwicklung von Ländern, die von Schulgeschichtsbüchern und Medien wenig beachtet werden.
Beim Lesen etwas negativ aufgefallen ist mir, dass Tim Marshall dazu neigt seine etwas militaristisch gefärbten Theorien an vielen Stellen als alternativlose Wahrheiten darzustellen, denen sich jede Regierung zwangsläufig beugen muss. In seinem Vorwort sagt der Autor zwar immerhin: "Sie [die Geographie] ist vielleicht nicht der bestimmende Faktor, aber ganz sicher jener, der am häufigsten übersehen wird". Im Buch selbst klingen seine Ausführungen jedoch stets so, als ob die von Marshall aus den geografischen Gegebenheiten abgeleiteten Überlegungen tatsächlich die jeweils einzig möglichen Handlungsalternativen wären. Nun bin ich kein militanter Pazifist und kann auch nicht daran glauben, dass die Natur den Homo Sapiens mit genügend Intelligenz ausgestattet hat, damit wir es eines Tages hinbekommen, dass alle Menschen auf unserem Planeten friedlich miteinander auskommen. Daher gehe ich davon aus, dass solche Aussagen von Marshall wie: "Präsident Putin hatte eigentlich keine Wahl -- er musste die Krim annektieren" oder "Alle großen Länder nutzen Friedenszeiten, um sich für den Tag zu rüsten, an dem der Krieg ausbricht" tatsächlich von so manchem autokratischen Herrscher und vielleicht auch von ein paar demokratischen Regierungen geteilt werden. Ob jedoch jede Regierung dieser Welt niemals eine andere Wahl hat, als den Überlegungen von Marshall zu folgen (so klingen seine Ausführungen), halte ich jedoch für zweifelhaft.
Den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Geographie behandelt Marshall leider erst ganz am Ende des Buches und nur in einigen kurze Passagen im Nachwort erläutert er die Möglichkeit, dass der Klimawandel neben seinen "positiven" Effekten (diese erkennt zumindest Marshall), den Zugang zu fossilen Brennstoffen in der Arktis und effektivere Schifffahrtsrouten, auch ein paar negative Aspekte haben könnte, und was deren Auswirkungen sein könnten. Leider ist allerdings damit zu rechnen, dass zahlreiche Regierungen diese "positiven" Effekte wohl ebenso im Fokus haben wie Marshall.
Trotzdem gibt das Buch dem Leser eine ganze Reihe sehr interessanter und vermutlich auch oft zutreffender Einblicke, die mir als geopolitischem Laien noch nicht bewusst waren.
Andi hat Der Report der Magd bewertet: stars
Andi hat Verschwörungen von Umberto Eco besprochen
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Das Büchlein enthält eine Zusammenstellung dreier unterschiedlich alter Vorträge von Eco. Der erste Teil des Buches nennt mehrere historische Beispiele für Verschwörungtheorien, und wie sie später als Lüge entlarvt wurden.
Eine Anleitung, wie man Verschwörungstheoretikern argumentativ begegnen kann, liefert das Buch nicht direkt, insbesondere der zweite Teil gibt jedoch eine sehr detaillierte historische Darstellung, wie eine der prominentesten und gleichzeitig tragischten Verschwörungstheorien entstanden ist: der jüdischen Weltverschwörung, welche den Nazis als Rechtfertigung für den größten Völkermord der Geschichte diente.
Der dritte Teil des Buchs ist thematisch etwas anders gelagert, und spricht mehr über diverse historische Therorien zum Aufbau der Erde und des Universums, die auch das ein oder andere mal zur Rechtfertigung bestimmter politischer oder religiöser Entscheidungen dienten.
Ecos Vorträge sind wie die meisten seiner Werke in einem sehr angenehmen, mit viel Ironie gewürzten Sprachstil vorgetragen.
Andi hat Uhrwerk Orange von Anthony Burgess besprochen (Heyne TB 6777)
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Uhrwerk Orange wird häufig mit dem Roman 1984 verglichen, weil es in beiden Werken um die staatliche autorisierte "Umerziehung" von Menschen mittels Gehirnwäsche geht. Während in 1984 die totalitäre Staatsmacht auf diese Weise den freien Willen harmloser, freiheitsliebender Bürger unterdrückt -- d.h. es ist hier glasklar, wer "die Guten" und wer "die Bösen" sind -- ist der Fall in Uhrwerk Orange deutlich komplizierter. Die Hauptperson Alex ist ein höchst unsympathischer krimineller Mörder, bei dem nicht die geringste Hoffnung zu bestehen scheint, dass er für seine Taten jemals das geringste Gefühl von Reue entwickeln und sich zu einem anständigen Mitglied der Gesellschaft wandeln könnte. Dies wird dem Leser insbesondere dadurch verdeutlicht, dass der Roman aus der Ich-Perspektive von Alex erzählt wird. Darüber hinaus gibt Alex, zugegebenermaßen ohne die vollen Konsequenzen zu kennen, auch noch selbst sein Einverständnis zu der Behandlung -- einzig und allein aufgrund der Aussicht, seine Gefängnisstrafe auf diese …
Uhrwerk Orange wird häufig mit dem Roman 1984 verglichen, weil es in beiden Werken um die staatliche autorisierte "Umerziehung" von Menschen mittels Gehirnwäsche geht. Während in 1984 die totalitäre Staatsmacht auf diese Weise den freien Willen harmloser, freiheitsliebender Bürger unterdrückt -- d.h. es ist hier glasklar, wer "die Guten" und wer "die Bösen" sind -- ist der Fall in Uhrwerk Orange deutlich komplizierter. Die Hauptperson Alex ist ein höchst unsympathischer krimineller Mörder, bei dem nicht die geringste Hoffnung zu bestehen scheint, dass er für seine Taten jemals das geringste Gefühl von Reue entwickeln und sich zu einem anständigen Mitglied der Gesellschaft wandeln könnte. Dies wird dem Leser insbesondere dadurch verdeutlicht, dass der Roman aus der Ich-Perspektive von Alex erzählt wird. Darüber hinaus gibt Alex, zugegebenermaßen ohne die vollen Konsequenzen zu kennen, auch noch selbst sein Einverständnis zu der Behandlung -- einzig und allein aufgrund der Aussicht, seine Gefängnisstrafe auf diese Weise erheblich verkürzen zu können. Außerdem handelt es sich bei dieser Umerziehung nicht um ein -- wie bei 1984 -- bereits etabliertes Verfahren, sondern um ein Experiment, bei der Alex die erste Versuchsperson ist. Insofern kann man Uhrwerk Orange nicht wie 1984 in das Genre Dystopie einordnen.
Der Roman behandelt also im wesentlichen die Frage: dürfte der Staat in solchen hoffnungslosen Fällen einen brutalen Verbrecher tatsächlich den psychischen Grausamkeiten einer Gehirnwäsche unterziehen, die einer ganz extremen Form der psychischen Folter gleichkommt?
Das Buch ist zweifellos hochinteressant, und wäre da nicht eine Sache, die mich wirklich -- insbesondere am Anfang -- sehr stark gestört hat, hätte ich dem Roman möglicherweise eine 5-Sterne-Bewertung gegeben. Der Autor lässt den Ich-Erzähler in einem erfundenen Slang reden, der zwar hervorragend zu seiner Peron passt, der aber so durchsetzt von fremden Vokabeln ist, deren Bedeutung leider auch häufig nicht aus dem Zusammenhang erkennbar ist, dass es schon ziemlich in Arbeit ausartet, die Bedeutung der fremden Vokabeln im Anhang nachzuschlagen. Ich hatte schon einige Kritiken über den Roman gelesen, bevor ich das Buch selbst gelesen habe. Hätte ich das nicht getan, hätte ich das Buch möglicherweise schon nach wenigen Seiten frustriert zur Seite gelegt. Ich habe mich nun letzten Endes dazu durchgerungen, dem Buch immerhin noch 4 Sterne zu geben; aber ich habe durchaus Verständnis, wenn sich manch ein Leser einfach nicht mit diesem Schreibstil anfreunden kann.
Andi hat Gesammelte Werke, Bd.1, Durch die Wuste bewertet: stars
Andi hat Was vom Tage ubrigblieb von Kazuo Ishiguro besprochen
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Mein erster Roman von Ishiguro, und sicher nicht mein letzter.
Dieser Autor hat den Nobelpreis für Literatur nicht zu unrecht bekommen. Es ist wirklich erstaunlich, wie er in diesem Roman, der aus der Ich-Perspektive des Protagonisten erzählt wird, Gefühle und Selbstkritik zum Ausdruck bringen kann, ohne dass die Hauptperson diese jemals direkt ausspricht.
Andi hat Die Stimmen der Nacht. Roman. von Thomas Ziegler besprochen
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Den (1993 überarbeiteten) Kurzroman von Thomas Ziegler kann man am ehesten in die Kategorie Parallelwelt/Mystery einordnen. Ähnlich wie in Philip K. Dicks "Orakel vom Berge" (engl.: "The Man in the high castle") wird in dem Roman ein alternativer Ausgang des 2. Weltkriegs beschrieben. Der Krieg endet im Roman mit dem Abwurf einer Atombombe auf Berlin (statt auf die japanischen Städte). Die in Wirklichkeit erfolgten Bemühungen der Alliierten für den Wiederaufbau Deutschlands und eine Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gibt es im Roman nicht, was dazu führt, dass sich große Teile der Bevölkerung stärker radikalisieren und sich zum Nationalsozialismus hinwenden, anstatt sich davon abzuwenden. In diesem Punkt kann man vielleicht Parallelen zu den tatsächlichen jüngsten Entwicklungen (Sommer 2021) in Afghanistan sehen.
Hauptpunkte des Romans sind ganz klar die unmenschlichen Verbrechen der Nazis im 2. Weltkrieg und die Gefahr des Neonazismus in neuerer Zeit, bis hin zur Gefahr eines neuen Weltkriegs. Darüber hinaus …
Den (1993 überarbeiteten) Kurzroman von Thomas Ziegler kann man am ehesten in die Kategorie Parallelwelt/Mystery einordnen. Ähnlich wie in Philip K. Dicks "Orakel vom Berge" (engl.: "The Man in the high castle") wird in dem Roman ein alternativer Ausgang des 2. Weltkriegs beschrieben. Der Krieg endet im Roman mit dem Abwurf einer Atombombe auf Berlin (statt auf die japanischen Städte). Die in Wirklichkeit erfolgten Bemühungen der Alliierten für den Wiederaufbau Deutschlands und eine Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gibt es im Roman nicht, was dazu führt, dass sich große Teile der Bevölkerung stärker radikalisieren und sich zum Nationalsozialismus hinwenden, anstatt sich davon abzuwenden. In diesem Punkt kann man vielleicht Parallelen zu den tatsächlichen jüngsten Entwicklungen (Sommer 2021) in Afghanistan sehen.
Hauptpunkte des Romans sind ganz klar die unmenschlichen Verbrechen der Nazis im 2. Weltkrieg und die Gefahr des Neonazismus in neuerer Zeit, bis hin zur Gefahr eines neuen Weltkriegs. Darüber hinaus enthält der Roman einige Mystery-Elemente (die titelgebenden "Stimmen der Nacht").
Den ursprünglichen Schluss der 1984-er Fassung des Romans kenne ich nicht; ich habe die überarbeitete Fassung von 1993 gelesen, deren Schluss sich auf einige Ereignisse bezieht, die der Autor 1984 noch nicht erahnen konnte. Das Ende in dieser Neufassung ist auf jeden Fall recht schlüssig und wertet den Roman noch etwas auf.
Alles in allem ist das Buch ganz okay, aber die große Klasse eines "Orakel vom Berge" hat der Roman dann doch nicht. Die Handlung erscheint an einigen Stellen etwas überhastet und nicht immer ganz logisch. Darüber hinaus gibt es für die Mystery-Elemente am Ende des Romans eine plausible Auflösung; bevor es zu dieser Auflösung kommt, wird die Handlung um die "Stimmen der Nacht" aber immer surrealer, was den Leser schon erahnen lässt, dass es dazu auf die ein oder andere Weise eine überraschende Auflösung geben wird.
Andi hat Jenseits der Zeit von Liu Cixin besprochen
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Der dritte und letzte Teil der Trisolaris-Trilogie ist zwar durchaus ein lesenswertes Buch, und für Leser, die sich für die ersten beiden Teile begeistern konnten, sicher eine Pflichtlektüre, aber das hohe Niveau der ersten beiden Bände kann dieser dritte Teil meiner Meinung nach nicht halten.
Die Fortsetzung ist erneut in einem episodenhaften Stil geschrieben. Während man die ersten beiden Bände noch als Hard Science Fiction bezeichnen konnte, nehmen die fantastischen Elemente, die völlig abgehoben von echten astrophysikalischen Erkenntnissen sind, in diesem dritten Band jetzt ziemlich Überhand. Auf den ersten Blick scheint dies eine natürliche Entwicklung der Geschichte zu sein, weil die Handlung schließlich immer weiter in die Zukunft vordringt, deren Entwicklung wir uns heute nur schwer vorstellen können, aber an manchen Stellen scheinen mir Cixin Lius Darstellungen (insbesondere was das Auffalten und Zerfallen des Raums in niedrigere Dimensionen angeht) ziemlich abgedreht.
Ein auffälliger Unterschied zu den ersten beiden Bänden ist …
Der dritte und letzte Teil der Trisolaris-Trilogie ist zwar durchaus ein lesenswertes Buch, und für Leser, die sich für die ersten beiden Teile begeistern konnten, sicher eine Pflichtlektüre, aber das hohe Niveau der ersten beiden Bände kann dieser dritte Teil meiner Meinung nach nicht halten.
Die Fortsetzung ist erneut in einem episodenhaften Stil geschrieben. Während man die ersten beiden Bände noch als Hard Science Fiction bezeichnen konnte, nehmen die fantastischen Elemente, die völlig abgehoben von echten astrophysikalischen Erkenntnissen sind, in diesem dritten Band jetzt ziemlich Überhand. Auf den ersten Blick scheint dies eine natürliche Entwicklung der Geschichte zu sein, weil die Handlung schließlich immer weiter in die Zukunft vordringt, deren Entwicklung wir uns heute nur schwer vorstellen können, aber an manchen Stellen scheinen mir Cixin Lius Darstellungen (insbesondere was das Auffalten und Zerfallen des Raums in niedrigere Dimensionen angeht) ziemlich abgedreht.
Ein auffälliger Unterschied zu den ersten beiden Bänden ist außerdem, dass mit Cheng Xin und ihrer Assistentin Ai AA zum ersten Mal zwei Frauen als Protagonistinnen auftreten. In den ersten beiden Bänden spielten Frauen so gut wie keine Rolle. Leider "versagt" Cheng Xin zwei Mal im entscheidenden Moment, weil sie eine schwache Frau und kein starker entschlusskräftiger Mann ist. Das ist schon mehr als nur klischeehaft. Zwar wählt sie jedes Mal einen friedlichen, unmilitärischen Weg, was man durchaus auch positiv sehen kann. Dennoch wird ihr Handeln als schwerwiegende Fehlentscheidungen betrachtet.
Wie anfangs schon gesagt, trotz allem ein lesenswertes Buch, aber Cixin Liu hätte die Geschichte im Grunde auch schon mit Band 2 beenden können.
Andi hat Der Thron der Sieben Königreiche bewertet: stars

Der Thron der Sieben Königreiche von George R. R. Martin (Das Lied von Eis und Feuer, #3)
Die Zeiten sind aus den Fugen geraten: Der Sommer des Friedens und der Fülle, der zehn Jahre währte, neigt sich …
Andi hat Das Lied von Eis und Feuer 1. Die Herren von Winterfell. bewertet: stars
Andi hat A Game of Thrones bewertet: stars

A Game of Thrones von George R. R. Martin
Eddard Stark, der Lord von Winterfell, ist dem Ruf seines Königs und alten Freundes Robert Baratheon gefolgt und hat seine …
Andi hat Die Saat des goldenen Löwen bewertet: stars

Die Saat des goldenen Löwen von George R. R. Martin (Das Lied von Eis und Feuer, #4)
Ein erbitterter Erbfolgekrieg verwüstet die Sieben Königreiche und der Bürgerkrieg zerreißt das Reich Westeros. Der kindliche, aber bösartige Joffrey sitzt …
Andi hat Der dunkle Wald von Liu Cixin besprochen (Trisolaris, #2)
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In "Der Dunkle Wald" setzt Cixin Liu die Trisolaris-Erzählung in demselben episodenhaften Stil fort wie in Band 1. Dabei wechselt die Erzählung immer wieder in schneller Folge zu unterschiedlichen Schauplätzen und Protagonisten.
Von den Personen aus Band 1 spielt lediglich der Polizeikommissar Shi Qiang noch eine größere Rolle. Wie schon in Band 1 schwächelt Cixin Liu etwas bei der überzeugenden Darstellung seiner Protagonisten. Außer dem Kommissar Shi Qiang werden nur zwei weitere Protagonisten ausführlicher dargestellt: der Politkommissar Zhang Beihei und der Wissenschaftler Luo Ji. Außerdem fällt auf, dass die für die Handlung bedeutenden Charaktere überwiegend Männer sind. Anstatt dem Autor (wie einige andere Rezensent*innen) Sexismus vorzuwerfen, würde ich jedoch einfach davon ausgehen, dass sich Cixin Liu mit der Darstellung von Frauencharakteren noch schwerer tut als mit der überzeugenden Herausarbeitung männlicher Personen und es aus diesem Grund lieber bleiben lässt. Wenn in einem Roman sexistische Personen vorkommen (z.B. Luo Ji, der …
In "Der Dunkle Wald" setzt Cixin Liu die Trisolaris-Erzählung in demselben episodenhaften Stil fort wie in Band 1. Dabei wechselt die Erzählung immer wieder in schneller Folge zu unterschiedlichen Schauplätzen und Protagonisten.
Von den Personen aus Band 1 spielt lediglich der Polizeikommissar Shi Qiang noch eine größere Rolle. Wie schon in Band 1 schwächelt Cixin Liu etwas bei der überzeugenden Darstellung seiner Protagonisten. Außer dem Kommissar Shi Qiang werden nur zwei weitere Protagonisten ausführlicher dargestellt: der Politkommissar Zhang Beihei und der Wissenschaftler Luo Ji. Außerdem fällt auf, dass die für die Handlung bedeutenden Charaktere überwiegend Männer sind. Anstatt dem Autor (wie einige andere Rezensent*innen) Sexismus vorzuwerfen, würde ich jedoch einfach davon ausgehen, dass sich Cixin Liu mit der Darstellung von Frauencharakteren noch schwerer tut als mit der überzeugenden Herausarbeitung männlicher Personen und es aus diesem Grund lieber bleiben lässt. Wenn in einem Roman sexistische Personen vorkommen (z.B. Luo Ji, der sich seine Traumfrau quasi aus dem Katalog bestellt), heißt das ja noch lange nicht, dass damit auch die Geschichte oder der Autor sexistisch sind. Immerhin wird Luo Ji im Roman für seine Einstellung auch kritisiert.
Die allgemeine Schwäche bei der Darstellung der Protagonisten schmälert die Genialität dieses Romans jedoch kaum, da diese vor allem von der faszinierenden Geschichte und weniger von einzelnen Personen herrührt. Die ersten beiden Teile von Band 2 spielen noch in der Gegenwart bzw. einer sehr nahen Zukunft, und wie schon in Band 1 halten sich die Fiction-Elemente hier sehr in Grenzen. Die meisten technischen und wissenschaftlichen Erklärungen basieren auf heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen und sind nicht reine Fantasiegespinste wie in Star Wars oder ähnlichen Geschichten, die mit „Science“ gar nichts zu tun haben, sondern eher in die Kategorie "Fantasy im Welltall" gehören. Lediglich die Tatsache, dass die Sophonen (das nahezu einzige Fantasy-Element aus Band 1) jetzt auch eine Echtzeitkommunikation zwischen Erde und Trisolaris ermöglichen, ist wenig realistisch.
Im dritten Teil macht die Handlung dann einen Sprung um 200 Jahre in die Zukunft, und hier nehmen die Fiction-Elemente jetzt zwangsläufig zu, da man durchaus davon ausgehen kann, dass es in dieser Zeit Entwicklungen geben wird, die heute noch kaum vorstellbar sind. Allerdings erfindet Cixin Liu auch weiterhin keine Dinge wie Warp-Antrieb oder Fluxkompensatoren, die nach heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen einfach physikalischer Unsinn sind. (Ich gebe zu, die Sophonen und der Kälteschlaf fallen möglicherweise in dieselbe Kategorie, aber immerhin
hält sich die Anzahl solcher Fantasiegespinste in engen Grenzen).
Im Laufe des Romans habe ich mich gefragt, ob es realistisch ist, anzunehmen, dass sich ein Großteil der Weltbevölkerung mit großem Enthusiasmus auf einen Krieg (bzw. ein Flucht davor) vorbereitet, der erst 400 Jahre in der Zukunft stattfinden wird (so lange braucht die Invasionsflotte der Trisolarier, um die Erde zu erreichen). Daher war ich positiv überrascht, dass Cixin Liu offenbar zu derselben Überlegung gelangt ist. Nach dem Zeitsprung um 200 Jahre hat die Menschheit die Bedrohung wohl ziemlich aus den Augen verloren. Obwohl sie nach wie vor mit der Ankunft der Trisolarier rechnen, sind die Menschen aufgrund der erzielten technischen Fortschritte fest davon überzeugt, mit der Gefahr spielend fertig zu werden – bis die „Vorhut“ der Trisolarier im Sonnensystem eintrifft.


















