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hat Uhrwerk Orange von Anthony Burgess besprochen (Heyne TB 6777)

Anthony Burgess: Uhrwerk Orange (German language, 1997, Wilhelm Heyne Verlag)

A Clockwork Orange is a dystopian satirical black comedy novel by English writer Anthony Burgess, …

Uhrwerk Orange wird häufig mit dem Roman 1984 verglichen, weil es in beiden Werken um die staatliche autorisierte "Umerziehung" von Menschen mittels Gehirnwäsche geht. Während in 1984 die totalitäre Staatsmacht auf diese Weise den freien Willen harmloser, freiheitsliebender Bürger unterdrückt -- d.h. es ist hier glasklar, wer "die Guten" und wer "die Bösen" sind -- ist der Fall in Uhrwerk Orange deutlich komplizierter. Die Hauptperson Alex ist ein höchst unsympathischer krimineller Mörder, bei dem nicht die geringste Hoffnung zu bestehen scheint, dass er für seine Taten jemals das geringste Gefühl von Reue entwickeln und sich zu einem anständigen Mitglied der Gesellschaft wandeln könnte. Dies wird dem Leser insbesondere dadurch verdeutlicht, dass der Roman aus der Ich-Perspektive von Alex erzählt wird. Darüber hinaus gibt Alex, zugegebenermaßen ohne die vollen Konsequenzen zu kennen, auch noch selbst sein Einverständnis zu der Behandlung -- einzig und allein aufgrund der Aussicht, seine Gefängnisstrafe auf diese Weise erheblich verkürzen zu können. Außerdem handelt es sich bei dieser Umerziehung nicht um ein -- wie bei 1984 -- bereits etabliertes Verfahren, sondern um ein Experiment, bei der Alex die erste Versuchsperson ist. Insofern kann man Uhrwerk Orange nicht wie 1984 in das Genre Dystopie einordnen.

Der Roman behandelt also im wesentlichen die Frage: dürfte der Staat in solchen hoffnungslosen Fällen einen brutalen Verbrecher tatsächlich den psychischen Grausamkeiten einer Gehirnwäsche unterziehen, die einer ganz extremen Form der psychischen Folter gleichkommt?

Das Buch ist zweifellos hochinteressant, und wäre da nicht eine Sache, die mich wirklich -- insbesondere am Anfang -- sehr stark gestört hat, hätte ich dem Roman möglicherweise eine 5-Sterne-Bewertung gegeben. Der Autor lässt den Ich-Erzähler in einem erfundenen Slang reden, der zwar hervorragend zu seiner Peron passt, der aber so durchsetzt von fremden Vokabeln ist, deren Bedeutung leider auch häufig nicht aus dem Zusammenhang erkennbar ist, dass es schon ziemlich in Arbeit ausartet, die Bedeutung der fremden Vokabeln im Anhang nachzuschlagen. Ich hatte schon einige Kritiken über den Roman gelesen, bevor ich das Buch selbst gelesen habe. Hätte ich das nicht getan, hätte ich das Buch möglicherweise schon nach wenigen Seiten frustriert zur Seite gelegt. Ich habe mich nun letzten Endes dazu durchgerungen, dem Buch immerhin noch 4 Sterne zu geben; aber ich habe durchaus Verständnis, wenn sich manch ein Leser einfach nicht mit diesem Schreibstil anfreunden kann.