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Robert Jordan: Das Rad der Zeit - Das Original (2004, Piper Verlag GmbH)

Die Suche nach dem Auge der Welt

Robert Jordan hat mit diesem Buch (und seinen Fortsetzungen) zweifelsohne ein ähnlich mächtiges Fantasyepos geschaffen wie seinerzeit Tolkien. Verglichen mit diesem ist Jordan vermutlich auch der handwerklich bessere Schriftsteller.

Allerdings scheint es ihm manchmal ein wenig an eigener Kreativität zu mangeln. (Das ist zumindest mein Eindruck nach dem Lesen von Band 1 der Reihe.) Insbesondere sind mir folgende Dinge negativ aufgefallen:

1. Zahlreiche Male entkommen die Hauptpersonen in aussichtslos erscheinenden Situationen nur durch ausgesprochen großen Zufall (z.B., indem die Gegner vom Blitz erschlagen werden).

2. Der "Endkampf" -- der wohl nicht wirklich ein Endkampf gewesen sein dürfte (angesichts der Fortsetzungen, die ich allerdings noch nicht gelesen habe) -- scheint am Anfang auch mal wieder völlig aussichtslos zu sein, wird dann von dem Haupthelden der Geschichte aber auf einmal spielend einfach beendet.

3. Die Anzahl der Ideen, die sich Jordan von Tolkien "geborgt" hat, ist schon ziemlich phänomenal: Da gibt es also diesen übermächtigen, dunklen Herrscher, der zwar schon (mindestens) einmal besiegt, aber eben nicht völlig vernichtet wurde, und der seine Macht erneut im Geheimen aufbaut, während der größte Teil der Menschheit davon nichts ahnt. Im Land Mordor -- nein, Entschuldigung, bei Jordan heißt es : "die Fäule" -- rotten sich die alten Anhänger dieses Herrschers zusammen, um sich auf einen neuen Krieg vorzubereiten. Der größte Teil davon besteht aus den sogenannten Trollocs. Auch wenn ihre äußerliche Gestalt etwas anders sein mag, so wären die Trollocs doch 1:1 durch Orks austauschbar. Nun gibt es abseits des politischen Weltgeschehens so ein idyllisches Bauerndorf, in dem die 5 jungen Helden (2 davon allerdings weiblich) in Jordans Geschichte heranwachsen, und plötzlich von den Schergen des dunklen Herrschers verfolgt werden, und sich deshalb auf eine lange Reise nach Osten begeben müssen. Dabei werden sie nicht nur von Trollocs, sondern auch noch von ganz besonders unheimlichen, schwarzen Reitern verfolgt. Glücklicherweise wird den jungen Helden von der Magierin Gandalfine -- nein, nochmals Entschuldigung, sie heißt Moiraine -- und einem großartigen Schwertkämpfer geholfen. Der bescheidene Schwertkämpfer ist übrigens, wie sich später herausstellt, in Wirklichkeit der Erbe eines alten Königshauses. Die Verfolger lassen sich übrigens anfangs immer ganz gut durch das Überqueren von Flüssen aufhalten, da sie sich vor fließendem Wasser fürchten. Einer der Helden ergattert dann noch irgendwann einen verfluchten Dolch, und er will seinen "Schatz" partout nicht mehr hergeben, was ihm gar nicht gut bekommt, weil der Dolch ihn zum Bösen verführen will.

Ok, ein paar eigene Ideen hat Jordan dann doch auch noch eingebracht, und bis auf den etwas abrupten Schluss (der ja noch nicht wirklich das Ende der Geschichte ist) liest sich der Roman dann doch recht flüssig.

Ich denke mindestens Band 2 sollte man noch eine Chance geben.