📚 Sachbücher, Historisches und (auch gern ulkige) Fantasy
🌍 Bücher auf Deutsch/Englisch/Französisch/Italienisch
🐘 anderswo im Fediverse: @tyrandus@troet.cafe
Elon Musk und Donald Trump kündigen massenhaft Verwaltungsmitarbeitern, …
Schicht für Schicht zum faulen Zwiebelkern
5 Sterne
Der schmale Band nimmt systematisch die Ideologie hinter dem Heilsversprechen Künstliche Intelligenz auseinander. Wer mit dem Faschismus-Begriff fremdelt, weil ein Nazivergleich für einen Chatbot doch zu weit greife, denkt nach den 184 Seiten vielleicht etwas anders. Hinter den oberflächlichen Schichten von Mühlhoffs Zwiebelmodell liegen die kruden und obskuren Weltanschauungen, die die Tech Bros lieber verborgen wüssten.
Elon Musk und Donald Trump kündigen massenhaft Verwaltungsmitarbeitern, …
Der schmale Band nimmt systematisch die Ideologie hinter dem Heilsversprechen Künstliche Intelligenz auseinander. Wer mit dem Faschismus-Begriff fremdelt, weil ein Nazivergleich für einen Chatbot doch zu weit greife, denkt nach den 184 Seiten vielleicht etwas anders. Hinter den oberflächlichen Schichten von Mühlhoffs Zwiebelmodell liegen die kruden und obskuren Weltanschauungen, die die Tech Bros lieber verborgen wüssten.
Sie lehnen alles Staatliche ab, propagieren „White-Supremacy“, kämpfen gegen Abtreibung, befürworten erzkonservative Geschlechterrollen und wähnen sich im Krieg gegen satanische …
Ryland Grace is the sole survivor on a desperate, last-chance mission--and if he fails, humanity …
Mehr als „Weltrettung durch Himmelfahrtskommando“
5 Sterne
Da wacht also mal wieder jemand in einem Raumschiff auf. Ohne Gedächtnis, damit Vorgeschichte und Weltallgeschehen parallel erzählt werden können. Die Erde ist bedroht, ein Amerikaner wird sie retten – auf einer Mission ohne Rückfahrschein. Klassischer geht es nicht.
Das waren meine ersten Gedanken zu „Project Hail Mary“ und ich wollte das Buch schon abtun – als unterhaltsam, aber vorhersehbar. Doch das täte Andy Weir Unrecht. Freunde hatten mir das Buch empfohlen, und mit der Zeit wurde mir auch klar, warum: Das Fesselnde ist hier die Wissenschaft, weniger die Fiktion.
Project Hail Mary kitzelt den Teil meiner Persönlichkeit, der die Weiten des Weltalls, die Faszination des Unbekannten und die Abgründe der Physik bestaunt. Das gesamte Abenteuer ist eine launige Reihe von Experimenten, die dem Protagonisten mehr über die Wirklichkeit verraten.
Weir erzählt eine Geschichte, die von Physik nur so strotzt – ohne dass die Erzählung oder der …
Da wacht also mal wieder jemand in einem Raumschiff auf. Ohne Gedächtnis, damit Vorgeschichte und Weltallgeschehen parallel erzählt werden können. Die Erde ist bedroht, ein Amerikaner wird sie retten – auf einer Mission ohne Rückfahrschein. Klassischer geht es nicht.
Das waren meine ersten Gedanken zu „Project Hail Mary“ und ich wollte das Buch schon abtun – als unterhaltsam, aber vorhersehbar. Doch das täte Andy Weir Unrecht. Freunde hatten mir das Buch empfohlen, und mit der Zeit wurde mir auch klar, warum: Das Fesselnde ist hier die Wissenschaft, weniger die Fiktion.
Project Hail Mary kitzelt den Teil meiner Persönlichkeit, der die Weiten des Weltalls, die Faszination des Unbekannten und die Abgründe der Physik bestaunt. Das gesamte Abenteuer ist eine launige Reihe von Experimenten, die dem Protagonisten mehr über die Wirklichkeit verraten.
Weir erzählt eine Geschichte, die von Physik nur so strotzt – ohne dass die Erzählung oder der theoretische Hintergrund darunter leiden. Seine Schilderungen bleiben verständlich, ohne trivial zu werden. Ich fühlte mich beim Lesen als Nerd angesprochen, aber nie durch zweckmäßige Vereinfachungen betrogen.
Ich bin (in diesem Sinne) glücklicherweise kein Physiker und konnte das Buch genießen, ohne mich an fachlichen Fehlern zu stoßen. Die Erzählung selbst ist unterhaltsam, wenn auch nicht herausragend. Die kräftige Würze mit Wissenschaft macht daraus aber ein großes Vergnügen, das ich gern weiterempfehle.
Die von Elon Musk ins Leben gerufene Abteilung für Regierungseffizienz, DOGE, war nur die Spitze …
Es gehört zu den bemerkenswertesten Vorstellungen unserer Zeit, dass das, was uns Silicon Valley verkauft, „die Zukunft“ ist. In gewissem technischen Sinne ist das richtig, aber nur, wenn wir jeglichen Utopismus aus dem Wort entfernen.
Die von Elon Musk ins Leben gerufene Abteilung für Regierungseffizienz, DOGE, war nur die Spitze …
In den letzten fünf Jahren haben die Unternehmen [des Silicon Valley] aufgehört, uns die Welt zu versprechen, und geben sich stattdessen damit zufrieden, sie zu dominieren. Das Überzeugungsvermögen ist verbraucht, das Vermögen ist geblieben.
Mit der unheimlichen Selbstverständlichkeit ihres Aufstiegs konfrontiert, fetischisieren die Held:innen des Techsektors den angeblichen Bruch und die vermeintliche existenzielle Gefahr, die damit einherging, dass sie ihr Studium abbrachen, um ein Unternehmen zu gründen. Angesichts der Tatsache, dass die Plattformen, [mit] denen sie ihren Reichtum verdienen, andere in Armut halten, denken sie sich Geschichten aus, die erklären sollen, dass das unvermeidlich ist. Und indem sie das Scheitern, die Existenzangst und die Frustration zu bloßen Etappen auf dem Weg zum unausweichlichen Erfolg degradieren, löschen sie die Tatsache aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit, dass es für viele Leute bei diesen Erfahrungen bleibt.
Dieses Buch war ein Zufallsfund. Eine Freundin hat es im Bücherschrank entdeckt, für lesenswert befunden und an mich weitergegeben. Und ich kann ihrem Urteil nur beipflichten.
Nelson Mandela, das war für mich vorher ein großer Name aus einer Zeit und einer Gegend, über die ich wenig jenseits von Oberflächlichkeiten wusste. Der südafrikanische Freiheitskampf dieser Generation liegt freilich nicht weit zurück und von der Apartheid hatte ich in der Schule gehört, aber so richtig wusste ich nicht bescheid.
Das lässt sich natürlich nicht mit dem Lesen einer einzigen Biografie gerade rücken, aber wenn es nur eine ist, darf es gern diese sein. Meine Vorstellung dessen, wie zum Beispiel seine Zeit im Gefängnis aussah, stimmte nahezu überhaupt nicht mit dem überein, was er darüber schreibt. Die Schilderungen sind mitunter grausam, aber auf ganz andere Art, als ich mir das vorgestellt hatte.
Beeindruckt hat mich sein juristischer Blick. Neudeutsch würde …
Dieses Buch war ein Zufallsfund. Eine Freundin hat es im Bücherschrank entdeckt, für lesenswert befunden und an mich weitergegeben. Und ich kann ihrem Urteil nur beipflichten.
Nelson Mandela, das war für mich vorher ein großer Name aus einer Zeit und einer Gegend, über die ich wenig jenseits von Oberflächlichkeiten wusste. Der südafrikanische Freiheitskampf dieser Generation liegt freilich nicht weit zurück und von der Apartheid hatte ich in der Schule gehört, aber so richtig wusste ich nicht bescheid.
Das lässt sich natürlich nicht mit dem Lesen einer einzigen Biografie gerade rücken, aber wenn es nur eine ist, darf es gern diese sein. Meine Vorstellung dessen, wie zum Beispiel seine Zeit im Gefängnis aussah, stimmte nahezu überhaupt nicht mit dem überein, was er darüber schreibt. Die Schilderungen sind mitunter grausam, aber auf ganz andere Art, als ich mir das vorgestellt hatte.
Beeindruckt hat mich sein juristischer Blick. Neudeutsch würde man vielleicht formulieren, dass seine Coping-Strategie das kontinuierliche Eintreten für die kleinsten Verbesserungen war. Und was sonst in Gefangenschaft alles möglich war – von verweigertem Brot bis hin zum Anlegen eines Gartens, mehr will ich nicht verraten –, überstieg auch meine Vorstellungen.
Abseits von den 10.000 Tagen Haft hat dieses Leben natürlich auch jede Menge Hoffnung, Tragik und Pathos zu bieten. Es geht mitunter weit ins Detail, aber es wird auf keiner Seite langatmig. Dazu haben sicher die am Schreiben Beteiligten beigetragen, und die Mischung aus fast schon legendärer Geschichte und menschlicher Nähe macht das Werk zu einem lesenswerten Erlebnis.
Mir bleiben jetzt vor allem zwei Dinge: Ich werde noch ein wenig mehr, auch kritischere Einordnungen, über das Südafrika dieser Zeit und heute lesen müssen. Und ich muss mich mal mit Mahatma Gandhi und anderen Freiheitskämpfer:innen auseinandersetzen – von ihnen weiß ich genauso wenig. Eine glückliche Begebenheit also, dieses Buch in die Finger bekommen zu haben – ich werde es mit gutem Gewissen weiterreichen.