Paranoid Fish hat angefangen, Hunger von Knut Hamsun zu lesen

Hunger von Knut Hamsun
Mit Hunger gelang Knut Hamsun 1890 sein literarischer Durchbruch. Nie wurde menschliches Leid so schonungslos und genau geschildert wie in …
Versuche, mir ein möglichst weites Feld an Literatur zu erschließen. Alle Epochen, alle Genres, mit besonderer Vorliebe für die Postmoderne und Science-Fiction.
Trying to explore a wide range of literature, especially fiction. All periods and genres, with a preference for postmodern literature and science fiction.
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Mit Hunger gelang Knut Hamsun 1890 sein literarischer Durchbruch. Nie wurde menschliches Leid so schonungslos und genau geschildert wie in …
Ich hatte immer Taschentücher dabei, wenn ich mit Rico wegging, denn manchmal gab es dann Blut.
— Als wir träumten von Clemens Meyer (Seite 491)
Das beschreibt Rico ziemlich gut. Und es gibt einen Eindruck vom Grundton des Romans.

Mit Hunger gelang Knut Hamsun 1890 sein literarischer Durchbruch. Nie wurde menschliches Leid so schonungslos und genau geschildert wie in …

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Wer ist Törleß und was beschäftigt ihn?
„Ihre Ränder verloren sich in dem ringsum zertretenen Boden und waren nur an zwei Reihen Akazienbäumen kenntlich, die traurig mit verdursteten, von Staub und Ruß erdrosselten Blättern zu beiden Seiten standen.
Machten es diese traurigen Farben, machte es das bleiche, kraftlose, durch den Dunst ermüdete Licht der Nachmittagssonne: Gegenstände und Menschen hatten etwas Gleichgültiges, Lebloses Mechanisches an sich, als seien sie aus der Szene eines Puppentheaters genommen.“
Ein junges Männlein, das gleichgültig und leblos durch seine Welt wabert. Das Gefühl, nur ausgetreten Fußspuren zu folgen und entdeckt: da ist so unfassbar viel Unverstandenes in mir, ein unausgefülltes Nichts, eine Sehnsucht, die verstörenden Genuss findet, an Dingen, die nicht sein sollen. Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Angst vor subtilen Empfindeleien, das Gefühl etwas verloren zu haben, von dem er nicht weiß was es ist.
„Er fühlte sich mehr denn je verlassen und auf verlornem Posten, aber in …
Wer ist Törleß und was beschäftigt ihn?
„Ihre Ränder verloren sich in dem ringsum zertretenen Boden und waren nur an zwei Reihen Akazienbäumen kenntlich, die traurig mit verdursteten, von Staub und Ruß erdrosselten Blättern zu beiden Seiten standen.
Machten es diese traurigen Farben, machte es das bleiche, kraftlose, durch den Dunst ermüdete Licht der Nachmittagssonne: Gegenstände und Menschen hatten etwas Gleichgültiges, Lebloses Mechanisches an sich, als seien sie aus der Szene eines Puppentheaters genommen.“
Ein junges Männlein, das gleichgültig und leblos durch seine Welt wabert. Das Gefühl, nur ausgetreten Fußspuren zu folgen und entdeckt: da ist so unfassbar viel Unverstandenes in mir, ein unausgefülltes Nichts, eine Sehnsucht, die verstörenden Genuss findet, an Dingen, die nicht sein sollen. Hilflosigkeit, Orientierungslosigkeit, Angst vor subtilen Empfindeleien, das Gefühl etwas verloren zu haben, von dem er nicht weiß was es ist.
„Er fühlte sich mehr denn je verlassen und auf verlornem Posten, aber in dieser Wehmut lag ein feines Vergnügen, ein Stolz, etwas Fremdes zu tun, einer unverstandenen Gottheit zu dienen. Und dann konnte wohl auch vorübergehend in seinen Augen etwas aufleuchten, das an den Aberwitz religiöser Ekstase gemahnte.
Zu Beginn des Buches versucht Törleß in Relexionen diese Empfindungen und Gedanken zu fassen und fühlt sie zurückweichen. Das Reale entzieht sich dem Symbolischen.
Er ermüdet schnell in diesen Reflexionen und zieht eine Mauer hoch.
Grundsätzlich verhandelt Musil die Grenzen formaler Systeme, anhand von Kant und den Übergang vom Konkreten, Verstandesmäßigem zum Unbekannten, Unsagbaren, Metaphysischen. Törleß ist Positivismuskritik und ein Mahnmal, wie jemand auf dem Weg zur Subjektivierung krepiert – sich im Erwachsenenalter an eine formale, abstrakte Moral hängt, ohne konkreten Inhalt des moralischen Lebens.
Er zählte dann zu jenen ästhetisch-intellektuellen Naturen, welchen die Beachtung der Gesetze und wohl auch teilweise der öffentlichen Moral eine Beruhigung gewährt, weil sie dadurch enthoben sind, über etwas Grobes, von dem feineren seelischen Geschehen Weitabliegendes nachdenken zu müssen, die aber eine gelangweilte Unempfindlichkeit mit dieser großen äußeren, ein wenig ironischen Korrektheit verbinden, sobald man ein persönlicheres Interesse für deren Gegenstände von ihnen verlangt.
Hauptsache nicht Denken! Bitte keine Reflexivität! Keine Versöhnung mit dem Anderen! Schöngeistige Fassade aufgelegt und auf zum Überwinden und Verdrängen! Gesetzgebende Moral auf Post it gepinnt, angeklebt und die Finsternis umschifft.
Huch, was machen die ganzen autoritären Gestalten hier?
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Mein überfordertes Geblubber nach dem ersten Read (2021-02):
Ein sprachliches Fest- Musil versteht es die Pupertären Gefühlswirrungen in poetische, psychologisch ausdrucksstarke Worte und Beobachten zu packen, wie ich es noch nie gelesen habe. Jede Seite ist ein Fest mit Hunderten Möglichkeiten nachzusinnen. Ein Buch das ich nur sehr langsam lesen konnte, weil es eine solche Wucht hat.
Ein paar ziemlich unangenehme Typen tummeln sich in diesem Roman. Auch der Ich-Erzähler hat so seine Themen (gerade ist er im Jugendarrest). Und obwohl die geschilderte Verrohung der Jugendlichen in diesem sehr authentisch wirkenden Werk gar nicht lustig ist, stellt sich ein gewisser Lesespaß bei mir ein. Ist wirklich gut geschrieben.

Two time-traveling agents from warring futures, working their way through the past, begin to exchange letters—and fall in love in …