Meinungen widerstehen Debatten
3 Sterne
Auf Menschen einzureden, wird ihre Meinung nicht ändern. Klingt banal, erklärt aber einiges. Das Buch ist ein Versuch, aus Soziologie, Kognitionspsychologie, Philosophie und Politikwissenschaft ein Bild zusammenzusetzen, wie politische Veränderung zum Positiven aussehen kann.
Dazu wird erst einmal aufgeräumt mit falschen Annahmen. Etwa: Politischer Aktivismus verändert die gesellschaftliche Debatte. Stimmt nicht. Er verändert vor allem die Aktivist:innen selbst. Ähnlich gelagert: Freund:innen und ihre Ansichten haben große Überzeugungskraft. Stimmt nicht, denn sie sorgen hauptsächlich dafür, dass wir uns stärker politisieren – die Richtung ist offen. Debatten sind ebenfalls fruchtlos, gemessen am Ziel, Menschen von Standpunkten zu überzeugen.
Die Autorin zeigt, was aus wissenschaftlicher Sicht wirklich hilft. Wie Toleranz aufgebaut werden kann. Was Meinungen effektiv ändert. Und warum diese Methoden eigentlich keine Lösung sein können. Im zweiten Teil geht sie zu einem tiefer greifenden Ansatz über. Im Gegensatz zu den punktuellen Strategien, die auch Antidemokrat:innen für sich nutzen können, wirkt eine Sache in Richtung einer progressiven, offenen Gesellschaft. Sie zu schaffen ist nicht leicht, aber sie ist etwas, das viele Ehrenamtliche schon unbewusst tun.
In Summe: Das Buch ist kein episches Meisterwerk und manche der angeführten Belege lassen Raum für alternative Interpretationen. In den wichtigen Punkten scheint mir das Buch allerdings ein guter Leitfaden zu sein. Ich weiß jetzt in jedem Fall, was ich an Weihnachten nicht (so intensiv) tun werde: Menschen mit Diskussionen zu überzeugen versuchen.
