Bei dem Titel habe ich eine humorvolle Auseinandersetzung mit Männern erwartet, die sich selbst als Feministen bezeichnen und wie wir mit ihnen im Alltag umgehen, wenn sie eben doch noch nicht so viel verstanden haben, wie sie gern hätten.
Teilweise ist das dieses Buch, aber nur aus einer sehr engen Sichtweise. Es geht fast ausschließlich um das Datingleben und da fast wieder nur um (potentiellen) Geschlechtsverkehr. Bis auf einige Ausnahmen geht es darum, wie weiße hetero cis Frauen sexuell und romantisch frustriert von weißen hetero cis Männern sind. Klar, das ist ein Thema, was für viele relevant ist und am Ende hat die Autorin selbst gesagt, dass sie sich erst mit dem Schreiben dieses Buches wirklich mit ihrem Feminismus auseinander gesetzt hat. Es wäre also spannend zu sehen, was sie in 5 Jahren für Anekdoten verarbeiten würde.
Gehofft hatte ich auf Geschichten, wie es ist, wenn deine cis männlichen Freunde einfach die Klappe halten, wenn du mit ihnen unterwegs bist und gerade von einem Kerl unangenehm angemacht wirst, wie sie argumentieren, wie schwer es ihnen fällt, die Neopronomen für ein Freundeswesen zu benutzen und wie du auf Arbeit mit deinem Chef diskutierst, dass du zum 8. März keine Blumen willst, obwohl er es nur gut meint hat und schließlich vor 20 Jahren schon mit den Kindern in Elternzeit gegangen ist und deshalb natürlich Feminist ist. Oder wie du mit Freund*innen zusammen sitzt und dann doch ein Kumpel raushaut, dass er ja keinen "Typ Frau hätte", nur um dann direkt danach eine Gruppe zu exotisieren. Oder wenn der Typ den du von Demos kennst auf einmal dem eigenen Kind Sachen sagt wie: "Jungs weinen nicht". Die meisten Männer mit denen ich zu tun hab sind halt nicht meine "Datingobjekte". Männer die keine potentiellen "Loveinterests" sind finden allerdings kaum im Buch statt. Dafür aber jede Menge Stereotype, die ich keinesfalls als Feministen bezeichnen würde und sie sich selbst vermutlich auch nicht.
Auch dachte ich bei der Sprache zwischenzeitlich, dass ich einfach zu alt bin, um mich von dem Stil angesprochen zu fühlen - bis ich gelesen habe, dass die Autorin 1 Jahr älter ist als ich.
Theoretisch richtet sich die Schreibweise an Männer und Frauen und dem Inhalt nach vor allem an solche, die hetero daten. Wer sich da nicht repräsentiert sieht, hat vermutlich nicht viel Freude an dem Buch.
Trotzdem sind einige gute Takes dabei, manchmal wird an einer intersektionellen Sichtweise gekratzt und es fühlt sich authentisch an. Gerade das Schlusswort ist stark. Bis dahin, gab es zwischen einigen Höhen für mich allerdings leider zu viele Tiefen.