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Umberto Eco: Der ewige Faschismus (German language, 2020, Carl Hanser Verlag)

"Ur-Fascism" or "Eternal Fascism: Fourteen Ways of Looking at a Blackshirt" (Italian: Il fascismo eterno, …

Das kleine Büchlein enthält mehrere Vorträge von Eco. Der erste und längste Text mit dem Titel "Der ewige Faschismus" ist dabei der älteste aus dem Jahr 1995.

In diesem und den anderen Vorträgen geht es weniger um geschichtliche Ereignisse, sondern um die gesellschaftlichen und idelogischen Hintergründe, die in der Vergangenheit ebenso wie in der Gegenwart zur Entwicklung faschistischer, populistischer Bewegegungen geführt haben und führen, und sind gleichzeitig ein Appell, solchen Entwicklungen entschieden entgegenzutreten

Dabei hat Eco schon im Jahr 1995 erkannt: "In unserer Zukunft bietet sich ein TV- und Internet-Populismus an". Man bedenke: das "World Wide Web", welches das Internet zum ersten Mal für den gewöhnlichen Durschnittsbürger nutzbar machte, startete im Jahr 1991! An "social media" war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken.

Eco erklärt auch schlüssig, warum immer wieder gerade Juden zur Zielscheibe faschistischer Verschwörungstheorien werden: "Daher liegt an der Wurzel der urfaschistischen Psychologie die Obsession einer Verschwörung, nach Möglichkeit einer internationalen. [...] Am einfachsten lässt sich eine Verschwörung durch einen Appell an die Fremdenfeindlichkeit hervorzaubern. Allerdings muss die Verschwörung auch von innen kommen. Daher sind die Juden gewöhnlich das beste Ziel, da sie den Vorteil bieten, gleichzeitig innen und außen zu sein."

Auch den scheinbaren Widerspruch, dass die Juden von Verschwörungstheoretikern auf der einen Seite als intelligent genug dargestellt werden, eine ultrageheime Weltverschwörung anzuzetteln, an der sich selbst die Regierungen bis aufs Blut verfeindeter Nationen gemeinsam beteiligen, auf der anderen Seite aber auch als unterentwickelte Menschen zweiter Klasse betrachtet werden, erklärt Eco schlüssig: "Die Anhänger müssen aber auch überzeugt sein, dass sie die Feinde besiegen können. So kommt es, dass die Feinde [...] gleichzeitig zu stark und zu schwach sind."

Wie auch in seinen Romanen ist Ecos unvergleichlicher ironischer Sprachstil wie immer ein Genuss! (Was auch ein Lob an die Übersetzer ist. Meine nicht vorhandenen Italienischkenntnisse ermöglichen es mir leider nicht, Ecos Werke in der Originalsprache zu lesen.)