Andi hat Verschwörung gegen Amerika besprochen
4 Sterne
Der Roman hat ein ähnliches Thema wie Philip K. Dicks Klassiker The Man in the High Castle. Roth skizziert hier ebenfalls einen alternativen Verlauf des zweiten Weltkriegs, bei dem die USA schließlich von Nazis regiert werden.
Im Gegensatz zu Dick beschreibt Roth jedoch die alleresten Anfänge dieser Entwicklung, wobei er gleichzeitig den real in Amerika vorhandenen Antisemitismus in den 40er Jahren anprangert. Roth erzählt seine Geschichte im Stile einer Autobiographie, und vermutlich enthält der Anfang der Geschichte auch tatsächlich autobiographische Anteile. Neben Roths Familienmitgliedern sind die handelnden Personen allesamt real existierende historische Personen, und Roth verwendet zum Teil auch die Originaltexte, die einige dieser Personen in ihren historischen Reden verwendet haben. Mit der Präsidentschaftswahl von 1940 weicht Roth dann jedoch von der tatsächlichen historischen Entwicklung ab, indem er eine Geschichte erfindet, in welcher der antisemitische Charles Lindbergh neuer amerikanischer Präsident wird.
Roth beschreibt überaus realistisch, wie eine sehr sorgfältig geplante und in anfangs noch sehr harmlos erscheinenden Schritten erfolgende Machtübernahme durch amerikanische Nazis aussehen könnte. Dabei beschreibt er insbesondere das auch aus jüngeren Wahlen in Amerika bekannte Problem des 2-Parteiensystems, bei dem sich die Bürger für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden: Lindbergh oder Krieg -- ohne die sonstigen Konsequenzen ihrer Wahlentscheidung in ihrer vollen Tragweite zu erkennen. (Als Roth den Roman 2004 schrieb, hatte er die jüngste Zuspitzung dieser Problematik unter Donald Trump noch gar nicht miterlebt.)
Dass ich den Roman am Ende doch nicht mit 5 Sternen bewerten kann, liegt im Wesentlich am letzten Drittel der Geschichte. Während die Machtübernahme durch die Nazis anfangs extrem sorgfältig und mit viel Intelligenz geplant erscheint, überschlagen sich die Ereignisse am Ende etwas zu sehr. Auch nimmt der Autor das Ende der Geschichte bereits im vorletzten Kapitel vorweg, um dann im letzten Kapitel noch einmal ein paar Tage in die Vergangenheit zu springen, um die Entwicklung der letzten Tage noch einmal aus seiner Perspektive als kleiner Junge zu erzählen. Die letzten Kapitel lesen sich leider nicht ganz so flüssig wie die ersten beiden Drittel. Trotzdem ist der gesamte Roman bis zum Schluss ausgesprochen lesenswert, und hat mindestens 4 bis 4,5 Sterne verdient.
