Andi hat Make Democracy Great Again! von Sarah Bosetti besprochen
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Eines der Bücher, die nur ein paar Milliarden mehr Menschen unvoreingenommen lesen und sich ernsthaft durch den Kopf gehen lassen müsste, und wir wären der Lösung einiger der größten Probleme unserer Zeit vielleicht schon einen großen Schritt näher gekommen. Wenn man Bosettis Ausführungen, insbesondere zu den Themen Politische Verantwortung des Einzelnen und naivem Pazifismus, mit den Gedanken vergleicht, die z.B. George Orwell vor einem knappen Jahrhundert in seinen politischen Essays zu Papier gebracht hat, merkt man, dass viele Probleme unserer Zeit keineswegs so neu sind, wie manche vielleicht glauben.
Beim Lesen hatte ich erst angefangen, zahlreiche Eselsohren zu falten, um auf zahlreiche Zitate in dieser Rezension Bezug zu nehmen, aber irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ich eigentlich die ganzen 220 Seiten abschreiben müsste, wenn ich tatsächliche alles erwähnen wollte, was ich für besonders relevant und wichtig halte. Daher hier nur eine sehr kleine Auswahl sehr gelungener Aussagen: Folgende Kritik am Vorgehen der Klimakleber bringt es zum Beispiel genau auf den Punkt: „… wer wütend auf dich ist, gibt dir zumindest seine Aufmerksamkeit. Das Ding ist nur: Wer wütend ist, ist blöderweise auch wütend und hat überhaupt keine Lust, sich wirklich anzuhören, was du zu sagen hast.“
Ebenso folgende Aussage zum Pazifismus: „Wenn alle sagen: Ich kämpfe nicht im Namen meiner Herrscher gegen andere Menschen, würde das Problem Krieg nicht existieren. Die Sache mit dieser Argumentation ist nur, dass sie komplett in sich zusammenfällt, sobald auch nur einer nicht mitmacht […] Ein Pazifismus, der glaubt, man könne jedem einzelnen Menschen ausreden, ein Arschloch zu sein, ist naiv.“ Übrigens eine sehr schöne Gegenposition zu Carl Sandburgs „Stell Dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin.“ — Was ich, und Sarah Bosetti vermutlich auch, im Grunde für eine wundervolle Vision halte, nur leider ist es eben genau das: eine Vision.
Und zu guter letzt noch folgender sehr schöne Satz: „Wir alle müssen der Menschheit die Option zugestehen, sich selbst zu vernichten. Was wir aber nicht tun müssen, ist Sterbehilfe leisten.“
Natürlich führt Bosetti alle diese Punkte noch sehr viel ausführlicher und differenzierter aus. Und das schönste daran: obwohl es um lauter ausgesprochen ernsthafte Themen geht, ist es sehr unterhaltsam und mit viel Humor geschrieben.
