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Prof. Dr. Roland Kaehlbrandt: Von der Schönheit der deutschen Sprache: Eine Wiederentdeckung (Paperback, Deutsch language, 2025, Piper Taschenbuch)

Die deutsche Sprache steht im Ruf, genau und logisch, aber auch schwerfällig, hart im Klang …

Eine Liebeserklärung ohne Gegenüber

Das Buch argumentiert gegen ein Vorurteil, das seine Leser nicht haben. Es tritt an gegen den Ruf des Deutschen als harte, unschöne, von Konsonanten dominierte Sprache, wie er in den Ohren vieler Nichtmuttersprachler nachhallt und in den sozialen Medien regelmäßig humorvoll bedient wird, und hält sich lange mit dem Nachweis auf, dass wir gar nicht so viele Konsonanten haben und sie ohnehin mit Vokalen verbunden sind. Wer aber zu einem 320 Seiten starken Sachbuch über die Schönheit der deutschen Sprache greift, das sprachlich präzise und stellenweise ausgesprochen sprachwissenschaftlich geschrieben ist, liest auch sonst und hat diese Vorbehalte schlicht nicht. Die Leser, die überzeugt werden müssten, erreicht das Buch nicht, und bei denen, die es erreicht, rennt es über weite Strecken offene Türen ein.

Dazu kommt ein Konstruktionsproblem. Der erste, theoretische Teil zu Lauten, Wortbildung und Satzbau ist spröde und schulisch, aber er handelt tatsächlich von Eigenschaften des Deutschen und trägt die These. Der zweite Teil mit den schönen Stellen liest sich leichter, beweist aber immer weniger. Am deutlichsten wird das im Kapitel über Reden: Was dort über Nähe zum Publikum und über Reden gesagt wird, die verbinden statt von oben herab zu belehren, ist klug und lesenswert, gilt aber in jeder anderen Sprache genauso. Dass es schöne deutsche Reden gibt, belegt nicht, dass Deutsch schön ist. Als langer Zeitungsessay wäre dieser Stoff gut aufgehoben gewesen; als Buch verliert er sein Thema aus dem Blick.

Eines aber zur Entwarnung: Wer dieses Buch aus Sorge meidet, hier werde Sprachpflege mit deutschnationalem Unterton betrieben, meidet das falsche Buch. Kaehlbrandt schreibt unaufgeregt, ohne Untergangsszenarien und ohne Agenda. Das Gendern kommt praktisch nicht vor, und wo er für deutsche Fachbegriffe wirbt, etwa am Beispiel Freuds, geht es um Verständlichkeit, nicht um Reinheit. Man kann das alles ohne Bauchschmerzen lesen, es fügt sich problemlos in einen gemäßigten, demokratisch geerdeten Diskurs ein.

Bleibt eine schön geschriebene, faire Materialsammlung ohne Reibung, die mich mit mildem Interesse, aber ohne Dringlichkeit durch die Seiten begleitet hat.