Dietsch hat Die Eskimo-Lösung von Pascal Garnier besprochen
Ein Mord aus Gefälligkeit
3 Sterne
Garniers Figuren leiden nicht am Leben, sie haben sich darin eingerichtet. Louis mordet nicht aus Gier, sondern aus Hilfsbereitschaft, jedenfalls in seiner eigenen Buchführung — gefragt hat er niemanden, und getrauert wird hinterher trotzdem. Der Schriftsteller, der ihn erfindet, bringt nicht einmal dafür genug Energie auf. Zwei Männer in derselben Trostlosigkeit, der eine handelnd, der andere nur denkend. Auf 139 Seiten funktioniert das gut, trocken erzählt und nicht ohne Komik, die allerdings nie gegen die Tristesse anarbeitet, sondern in ihr aufgeht.
Unangenehm fällt heute die sechzehnjährige Tochter der Freundin auf, die ausschließlich als sexuelle Projektionsfläche eines Mittvierzigers existiert und keine eigene Motivation bekommt. Auf zweihundert Seiten mehr hätte mich das zusammen mit dem Ungelösten in den Figuren gestört. Als kurzer Ausflug in eine Welt, in der niemand mehr zurückschlägt, geht es in Ordnung.
