Zurück
Margot Lee Shetterly: Hidden Figures (Paperback, 2017, William Collins)

Großartige Geschichtsstunde

Keine Bewertung

2016 bei einer Dienstreise in den USA hatte ich das Glück, schon sehr früh ein englischsprachiges Exemplar des Buches „Hidden Figures“ zu erstehen. Wenn ich in den USA war streifte ich immer durch Book Stores um nach Biographien und Sachbüchern aus der Zeit von Mercury bis Apollo zu suchen. Ich hatte schon von dem Buch gehört, und dem Plan dieses auch zeitnah zu verfilmen, und war damals sehr zufrieden mit meinem Kauf. Wer das Buch in Englisch lesen möchte sollte sich mit technischen und mathematischen englischen Begriffen etwas auskennen. Auch Wissen über die politische Geschichte in den USA ist definitiv hilfreich wenn man das Buch liest, egal ob in Deutsch oder Englisch. Aktuell entdeckte ich nun das Buch in unserer Onleihe Bibliothek, in deutscher Übersetzung. Das war eine gute Gelegenheit das Buch noch einmal zu lesen. Diesmal in einer wirklich guten Übersetzung ins deutsche, von Michael Windgassen und Sandra Ritters. Die Verfilmung des Buches fand ich auch recht gelungen, aber es bleibt eben ein Film, mit filmischer Dramaturgie, Verkürzungen und einer gewissen plakativen Auseinandersetzung des Themas. Die Autorin hat hingegen ein Buch geschrieben, dessen Basis Interviews mit den Zeitzeuginnen waren, und dann mit dem detaillierten historischen Wissen der Autorin verbunden wurde. Daraus hat die Autorin einen Text in Erzählform geschaffen, der sich fesselnd wie ein Roman liest. Ein großer Unterschied zum Film ist auch die Zeitachse die abgedeckt wird. Der Film spielt im wesentlichen in der Zeit vor und während der Mercury Missionen. Im Buch hingegen lernt man, das die NACA (Vorläufer der NASA), während des zweiten Weltkriegs für die Flugzeugforschung Unmengen von Personal brauchte. Zuerst suchte man weiße weibliche Computer, also Rechnerinnen, die meist Mathematikerinnen waren die häufig in Richtung Schullaufbahn gestartet waren. Als hier die Ressourcen abgeschöpft waren, engagierte man farbige weibliche Computer, um den wachsenden Bedarf zu decken. Das war im Bundesstaat Virginia ein extremer Schritt, denn hier wurde die Rassentrennung strikt verteidigt. Im Buch lernt man dann auch, das eigentlich schon mehrere Generationen weiblicher Computer aktiv waren, bevor das Space Race überhaupt erst richtig los ging. Das Buch deckt dann auch noch die Zeit einschließlich der Mondlandung ab, mit vielen technischen Fakten, aber auch den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen die in dieser Zeitspanne passierten. Das Buch erzählt primär die Geschichten von Person of Color in der Rolle als weiblicher Computer. Über diese Einzelschicksale, und den historischen Hintergrund, lernt man diese Zeit aus einem ganz anderen Blickwinkel kennen, und ist überaus lehrreich ohne belehrend zu sein. Dieses Story Telling der Autorin ist ein großes plus für das Buch, und macht es wirklich gut lesbar. Hilfreich ist sicher das die Historikerin auch ein Kind dieser Gegend und eine Person of Color ist, sowie ihre Familie auch in dem technischen Ecosystem eingebettet war. Die Autorin wechselt immer wieder zwischen den einzelnen Erzählsträngen hin und her, und führt dann auch neue Personen ein. Hier bin ich manchmal durcheinander gekommen mit den Personen, denn im Buch lernt man im Gegensatz zum Film, mehr als 3 Hauptpersonen kennen. Leider finden sich weder in der deutschen oder englischen Buch Fassung Fotos von den Personen die beschrieben werden. Mir wäre es dann vielleicht leichter gefallen, nicht manchmal den Faden zu verlieren, und die Personen besser zuordnen zu können Aber meiste merkte ich schnell wenn ich mich etwas verloren hatte, und mit etwas blättern brachte ich das dann wieder in Ordnung. Kurzum, ich finde das Buch großartig, auch noch 10 Jahre nach seinem ersten Erscheinen. In seiner Vielschichtigkeit aus Historie, Technik, Emanzipation und persönlichen Schicksalen bietet es nicht nur gut zu lesende Unterhaltung, sondern öffnet auch eine Ansicht in Dinge und Entwicklungen, die einem sonst verschlossen geblieben wären.