Andi hat Wiedersehen im Cafe am Rande der Welt von John Strelecky besprochen
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Den ersten Band dieser Mischung aus Roman und Lebenshilferatgeber fand ich ja noch recht kurzweilig zu lesen und den ein oder anderen sinnvollen Denkanstoß hatte er noch enthalten. Mit dieser Fortsetzung kann ich mich allerdings kein bisschen anfreunden.
Einige Ratschläge in dem Buch sind zwar sicher nicht völlig verkehrt, aber oft handelt es sich dabei auch um Banalitäten, die man in jedem drittklassigen Lebenshilferatgeber findet, der in den letzten 50 Jahren veröffentlich wurde, bzw. auf die man mit nur etwas gesundem Menschenverstand auch von ganz alleine kommen kann.
Wie auch schon im ersten Band kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass Streleckys Ratschläge sich in erster Linie an besser betuchte Leser richtet (die vielleicht auch gerne noch ein paar Dollar mehr in Herrn Streleckys Bücher und Lebenshilfe-Seminare investieren). So schlägt er seinen Lesern gleich ganz zu Beginn des Buches vor, einfach immer abwechselnd ein Jahr zu arbeiten und ein …
Den ersten Band dieser Mischung aus Roman und Lebenshilferatgeber fand ich ja noch recht kurzweilig zu lesen und den ein oder anderen sinnvollen Denkanstoß hatte er noch enthalten. Mit dieser Fortsetzung kann ich mich allerdings kein bisschen anfreunden.
Einige Ratschläge in dem Buch sind zwar sicher nicht völlig verkehrt, aber oft handelt es sich dabei auch um Banalitäten, die man in jedem drittklassigen Lebenshilferatgeber findet, der in den letzten 50 Jahren veröffentlich wurde, bzw. auf die man mit nur etwas gesundem Menschenverstand auch von ganz alleine kommen kann.
Wie auch schon im ersten Band kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass Streleckys Ratschläge sich in erster Linie an besser betuchte Leser richtet (die vielleicht auch gerne noch ein paar Dollar mehr in Herrn Streleckys Bücher und Lebenshilfe-Seminare investieren). So schlägt er seinen Lesern gleich ganz zu Beginn des Buches vor, einfach immer abwechselnd ein Jahr zu arbeiten und ein Jahr um die Welt zu reisen. Strelecky verkauft diese Idee so, dass es zu seiner Lebensphilosophie dazugehört, sich keine Sorgen um das nächste Jahr und darum, wie man sein Leben dann finanziert bekommt, zu machen -- ein netter Vorschlag, wenn man finanziell bereits ausgesorgt hat. Aber für die größten Teile der Weltbevölkerung sind solche Ideen nun leider fernab jeglichen Realismus. Auch darauf hat Streleckys sofort eine Gegenargument parat: jeder Mensch kann ja individuell unterschiedliche Wünsche und Ziele haben, es muss also nicht jeder Mensch jedes zweite Jahr nur mit Weltreisen verbringen. Ja, lieber Herr Strelecky, das werden die meisten Menschen auch nicht tun, aber ich garantiere Ihnen, unter den Milliarden Menschen, die sich das ganz einfach nicht leisten können, gäbe es trotzdem bestimmt ein paar, die diesen Lebensstil (oder einen anderen ähnlich kostspieligen) als ihren "Zweck der Existenz" akzeptieren würden -- wenn es denn für sie machbar wäre (was es definitiv nicht ist).
Etwas später philosophiert Streleckys darüber, ob es wohl besser wäre, heute einen Urlaub für 5000 Dollar zu machen, oder das Geld 23 Jahre lang zu investieren, um sich dann im Rentenalter zwei solche Urlaube leisten zu können. Lieber Herr Strelecky, manche Menschen leisten sich niemals im Leben einen Urlaub für 5000 Dollar -- und zwar (in vielen Fällen) nicht, weil sie es nicht wollen, sondern weil sie es nicht können.
In einem anderen Kapitel geht es darum, dass nicht jeder Mensch Erfüllung darin findet, seinen Mitmenschen zu helfen; manche Menschen finden vor allem Erfüllung darin, an sich selbst zu denken, und das ist laut Strelecky auch völlig in Ordnung so. Ja, es ist sicher richtig, dass es Menschen gibt, die zu wenig an sich selbst denken, aber bei Strelecky klingt es einfach alles ein bisschen so als wollte er sagen: Wenn Du gerne ein egoistisches Arschloch sein möchtest, dann sei einfach ein egoistisches Arschloch!
Immerhin einen Ratschlag Streleckys habe ich jetzt befolgt: Ich verschwende meine Lebenszeit nicht mehr mit völlig überflüssigem Unsinn, und habe die Lektüre nach 140 Seiten (etwa der Hälfte) beendet.