Andreas Müller hat Die Erfindung des Verderbens von Jules Verne besprochen (Klassische Abenteuer)
Wenn die Kopie besser scheint als das Original
Inhaltswarnung Details aus dem Inhalt, Vergleiche der Unterschiede zwischen Hörspielfassung und Original
"Die Erfindung des Verderbens" war eines meiner Lieblingshörspiele als Kind, damals in den 70ern auf Schallplatte aus der örtlichen Bibliothek regelmäßig ausgeliehen, und das u.a. durch den in der DDR prominenten Nachrichtensprecher Klaus Feldmann fast wie eine Dokumentation wirkte. Vier Jahrzehnte später gönne ich mir nun das Original, und bin, nun ja, ein klein wenig enttäuscht. Bis auf die Namen von Personen und Orten ist wenig von der faszinierenden Geschichte auf Vinyl übriggeblieben, der Kampf eines jungen Ingenieurs der lieber möchte, das ein tödlicher Sprengstoff lieber zur friedlichen Energiegewinnung weiterentwickelt und nicht als Waffe eingesetzt wird, eine Hommage auf die damals sehr populäre Atomkraft als friedliche Weiterentwicklung der schrecklichen Atombombe.
Im Buch ist Simon Hart ist zwar immer noch Ingenieur, aber nicht mehr engagierter Freund und Assistent von Professor Roch, sondern dessen von ihm wenig geschätzter Pfleger in einer Nervenheilanstalt, der Professor selber denkt nur an unendlichen Reichtum, den er mit seiner Erfindung machen möchte. Gewiss, je mehr die Geschichte fortschreitet, umso ähnlicher gleichen sich die Erzählstränge, ein Sprengstoff der alles bisher dagewesene in den Schatten stellt, die Beschreibung des Tuck als damals noch visionäre Darstellung eines leistungsfähigen U-Bootes, die Insel Back Cup als Hauptquartier einer wohlhabenden Piratenbande, der Rettungsversuch durch die Sword, der Angriff der alliierten Flotte. Eigentlich alles wie gehabt, aber die Traurigkeit von Ingenieur Hart, der, obwohl enttarnt, hier kein Ingenieur sein darf und keinerlei Beziehung zum Professor aufbauen kann, macht das Original noch etwas düsterer, als es die Geschichte ohnehin schon ist. Immerhin, im Gegensatz zur DDR Hörspieladaption überlebt Simon Hart letztendlich die Zerstörung der Insel als einziger. Im Hörspiel dagegen war es nur ein Abschiedsbrief, überbracht von einen jungen Freund, den er auf der Insel gewonnen hatte.
Ich denke mal wer die Hörspielfassung(en) nicht kennt, kommt hier trotzdem voll auf seine Kosten. Ein typischer Jules Vernes, der neben technischen Visionen auch viele Einblicke in das Leben damals liefert, etwas, was ein Hörspiel so nicht liefern kann. Wer so wie ich mit der Hörspieladaption aufgewachsen ist wird allerdings überrascht sein, wie sehr sich beide Fassungen doch unterscheiden.
