Kai hat Careless People von Sarah Wynn-Williams besprochen
Schlechte Menschen machen schlechte Dinge
5 Sterne
Die Autorin hat sieben Jahre bei Facsbook gearbeitet und beschreibt hier die Jahre von 2011 bis 2018. Sie hat als ehemalige Diplomatin die politische Perspektive in eine Firma gebracht, die bis dahin offenbar überhaupt keine Gedanken an die Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Demokratie aufgewendet hat. Ein ganz offenbar politisch naiver Mark Zuckerberg, der — ganz Techbro — nur sein Produkt sieht und dem soziale Auswirkungen völlig egal sind, musste überhaupt erst in die nationale und internationale Politik eingeführt werden.
Die Beschreibungen sind dabei mitunter etwas zu detailliert, zeichnen damit aber auch das Bild von Leuten, denen die Folgen ihrers Produkts schlicht egal sind. Die sind nicht einmal aktiv böswillig dabei: sie sind einfach nur „careless people“.
Deutlich wird das an drei drastischen Beispielen. Da ist zum Beispiel der grausame Genozid in Myanmar, der ohne das soziale Netzwerk Facebook so vielleicht nicht möglich gewesen wäre. Sie schildert, wie …
Die Autorin hat sieben Jahre bei Facsbook gearbeitet und beschreibt hier die Jahre von 2011 bis 2018. Sie hat als ehemalige Diplomatin die politische Perspektive in eine Firma gebracht, die bis dahin offenbar überhaupt keine Gedanken an die Auswirkungen auf Gesellschaft, Politik und Demokratie aufgewendet hat. Ein ganz offenbar politisch naiver Mark Zuckerberg, der — ganz Techbro — nur sein Produkt sieht und dem soziale Auswirkungen völlig egal sind, musste überhaupt erst in die nationale und internationale Politik eingeführt werden.
Die Beschreibungen sind dabei mitunter etwas zu detailliert, zeichnen damit aber auch das Bild von Leuten, denen die Folgen ihrers Produkts schlicht egal sind. Die sind nicht einmal aktiv böswillig dabei: sie sind einfach nur „careless people“.
Deutlich wird das an drei drastischen Beispielen. Da ist zum Beispiel der grausame Genozid in Myanmar, der ohne das soziale Netzwerk Facebook so vielleicht nicht möglich gewesen wäre. Sie schildert, wie Facebook zum Beispiel nur einen einzigen Mitarbeiter hatte, der burmesisch sprach und der auch wenig Interesse an einer Eingrenzung der Gewalt durch die Junta hatte. Wie es insgesamt ein völliges Desinteresse an dem Missbrauch der Plattform gab.
Das zweite Beispiel ist die Werbeabteilung, die gezielt die Emotionen von vulnerablen Teenagern vermarktet hat. Haben zum Beispiel Mädchen ihre Selfies gelöscht, wurden ihnen vielleicht gleich Werbung für Schlankheitsmittel angezeigt.
Das dritte Beispiel ist die offene Debatte bei Facebook um konkrete Hilfen, mit denen etwa die AfD und andere rechtsextreme Parteien in Europa unterstützt werden sollten, um eine Regulierung von Facebook zu verhindern.
Insgesamt beschreibt sie die Führungsriege als Menschen, die schlicht außer Geldverdienen kein Interesse haben. Etwa, wenn Facebook ein mögliches China Geschäft so wichtig ist, dass sie der chinesischen Regierung direkten Zugriff auf Userdaten und Zensurmöglichkeiten einräumen wollten.
Es ist der Konzern eines Megamilliardärs, der nicht nur keine Skrupel kennt sondern der die Welt durch seine Produkte aktiv schlechter macht.