wobintosh@buecher.pnpde.social hat Die Blutkönigin von Bernhard Hennen besprochen (Schattenelfen, #1)
Ein unsichtbares Böses...
4 Sterne
Inhaltswarnung Evtl. als Spoiler aufzufassende kleinere Details
Auch, wenn das Buch mit seinen 770 Seiten durchaus umfangreich ist, gibt es doch eigentlich wenig, was ich inhahtlich bemerken möchte.
Beherrschende Themen sind Intrigen, Verrat und Krieg, was immerhin insofern "aufgelockert" wird, dass zumindest ein Teil der intrigierenden, verratenden und kriegerischen Charaktere sehr ambivalent gestaltet sind, sie sind nicht eindeutig der "guten" oder "schlechten" Seite zuzuordnen - mitunter scheinen sich auch die Charaktere selbst nicht im Klaren zu sein, ob sie auf der "richtigen" Seite stehen. Auch Charaktere, die die Lesenden über weite Teile relativ sicher einer Seite zuordnen zu können glkauben, zeigen teils sehr unerwartete Aspekte ihres Bildes.
Spannend finde ich, wie eine für das Verständnis des späteren Handlungsverlaufs wichtige Vorgeschichte mit großem zeitlichen Versatz eingeflochten wird - einerseits gibt es einen relativ ungewohnten, den selbst gegebenen Regeln widersprechenden Zeitreise-Bestandteil, andererseits wird die Vorgeschichte zu diesem selbst als Wiedergabe eines historischen Manuskripts erzählt, was ich sicher auch aus beruflichen Gründen immer spannend finde.
Die Welt ist insgesamt sehr auf Feen ausgelegt, die mit verschiedenen Arten die Mehrheit der Bevölkerung des zentralen Handlungsortes zu stellen scheinen. Natürlich kommen auch die "üblichen" anderen Fantasy-Spezies wie etwa Trolle vor, spielen aber mit Ausnahme einzelner Charaktere insgesamt eine untergeordnete Rolle.
Spannend fand ich in der Hinsicht die Darstellung der von mir in letzter Zeit durchaus geschätzten Zwerge, die hier ganzu untypisch daherkommen - auch wenn sie eher "platter" dargestellt werden als bei Markus Heitz.
Überhaupt ist der Band ein Stück Weit Kontraktprogramm zu den "Die Zwerge"-Bänden von Heitz, die ich im letzten Jahr gelesen und für gut befunden habe. Die Welt ist deutlich weniger eindeutig in "Gut" und "Böse" zu unterteilen, die Darstellung scheint mir in vielen Teilen brutaler. Der Aspekt der Kameradschaft bzw. Freudschaft, der bei Heitz sehr präsent ist - was wohl auch auf dessen Fokus auf die tendenziell geselligen Zwerge zurückzuführen ist - kommt hier deutlich kürzer.
Relativ früh findet sich aber doch schon ein erster Hinweis auf eine verborgene Macht, die vieles steuert - in Gestalt eines Wesens, das eher nicht als klassicher Bösewicht taugt.
Was mich an dem Buch leider stellenweise echt genervt hat, sind die Sprünge in Zeit, Ort und Personen. Die gibt es auch bei Heitz, aber gerade im ersten Teil ist das extrem - die Kapitel haben hier eher einen "Snippet"-Charakter von teils gerade einmal zwei, drei Seiten. Um mich in eine Situation "reinzugrooven" bevorzuge ich eindeutig längere Abschnitte. Später im Buch sind die Kapitel dann nahezu ausschließlich länger - dafür trennen sie dann nur noch die gleiche Situation, ohne Änderung von Ort und Personen, allenfalls die Zeit ändert sich. Nachdem ich über weite Teile des Buches darauf eingestellt war, dass ein Kapitel mit Änderungen einhergehen würde, hat mich das anfangs durchaus etwas irritiert.
Zumindest dem zweiten Band werde ich dennoch auf jedem Fall eine Chance geben.