Nils Müller liest hat Der Gott des Waldes von Liz Moore besprochen
Gesellschaftlich hochrelevanter Roman, dessen eigentliches Thema bei all seiner Brisanz doch ein wenig blass bleibt
4 Sterne
Auf den ersten Blick ist "Der Gott des Waldes" von Liz Moore ein relativ klassischer Thriller: Aus einem Feriencamp verschwindet die Tochter der Besitzer des Camps – ebenso wie ihr Bruder etliche Jahre zuvor. Was folgt, ist eine Suche nach Spuren und Hintergründen, die verwinkelte Wendungen nimmt und das eine oder andere Geheimnis aufwühlt.
Doch diese Thriller-Handlung ist nicht rasant und fesselnd, sondern fühlt sich erstaunlich „entspannt“ an. Liz Moore nimmt sich nämlich Zeit: Zeit, ihre Figuren vorzustellen, deren Geschichte, deren Hoffnungen, deren Ängste. Sie springt zwischen Zeitebenen, in denen sie diese Geschichten erzählt, der Geschichte des Bruders und der „Gegenwart“ der 1970er Jahre hin und her und schafft so ein Kaleidoskop an Eindrücken, in dem sich nach und nach das eigentliche Thema des Romans abzeichnet.
Unter der Oberfläche dieses Thrillers wird ein grundlegender Konflikt ausgetragen – der zwischen Arm und Reich. Dabei liegen alle Vorteile auf der …
Auf den ersten Blick ist "Der Gott des Waldes" von Liz Moore ein relativ klassischer Thriller: Aus einem Feriencamp verschwindet die Tochter der Besitzer des Camps – ebenso wie ihr Bruder etliche Jahre zuvor. Was folgt, ist eine Suche nach Spuren und Hintergründen, die verwinkelte Wendungen nimmt und das eine oder andere Geheimnis aufwühlt.
Doch diese Thriller-Handlung ist nicht rasant und fesselnd, sondern fühlt sich erstaunlich „entspannt“ an. Liz Moore nimmt sich nämlich Zeit: Zeit, ihre Figuren vorzustellen, deren Geschichte, deren Hoffnungen, deren Ängste. Sie springt zwischen Zeitebenen, in denen sie diese Geschichten erzählt, der Geschichte des Bruders und der „Gegenwart“ der 1970er Jahre hin und her und schafft so ein Kaleidoskop an Eindrücken, in dem sich nach und nach das eigentliche Thema des Romans abzeichnet.
Unter der Oberfläche dieses Thrillers wird ein grundlegender Konflikt ausgetragen – der zwischen Arm und Reich. Dabei liegen alle Vorteile auf der Seite der Reichen, die letztlich machen können, was sie wollen, da die Armen immer als Sündenböcke vorgeführt werden können und den eigentlichen Preis bezahlen.
Ein gesellschaftlich hochrelevanter Roman, dessen in Teilen sehr präzise Diagnose unserer Gesellschaft gut tut. Gleichzeitig bleibt das eigentliche Thema bei all seiner Brisanz doch ein wenig blass …